Unterwasserbasen oder Habitate
Die Menschheit hat gelernt, sich dem Leben auf allen Teilen der Oberfläche der Erde anzupassen, und hat die Grenzen der Technik erweitert bis hin zu Erkundungen im Weltall.
Im Kontrast dazu sind die Ozeane, die ca. 70 Prozent der Oberfläche unserer Welt bedecken, relativ unerforscht.
Die Aussicht darauf, unter dem Meer zu leben, hat für mich aber immer eine Faszination bedeutet – deswegen habe ich diese Seite gestaltet, um die verschiedenen Unterwasserlebensräume aufzulisten, die über die letzten 40 Jahre entwickelt worden sind.
1962 – Conshelf I (Continental Shelf Station) war der allererste Versuch, in dem Menschen in einem „Unterwasserhaus“ lebten, es für Erkundungen verließen (Tauchgeräteausrüstung benutzend) und zum Schlafen zurückkehrten. Entwickelt von Jacques Cousteau, um Grundbeobachtungen des Lebens unter Wasser aufzuzeichnen. Der erste Versuch fand im September 1962 in 10 m Wassertiefe nahe Marseille statt und umfasste ein Team von zwei Tauchern, die 7 Tage dort lebten.
1963 – acht Taucher lebten in Conshelf II für einen Monat im Roten Meer. Nach erfolgreichem Abschluss seines Projektes sagte Cousteau sinngemäß, er glaube, dass versunkene Siedlungen und besiedelte Riffe auf dem Festlandsockel ebenso Alltag werden würden wie Ölbohrtürme, und dass die Erprobung der Tauchuntersassen von Unterwasserbasen aus den Weg für Unterseehäfen großer nuklearer Unterseeschiffe ebnen könnte.
Die Basis:
Die U-Boot-Garage:
1964 – SEALAB I war kein glanzvoller Lebensraum. Er wurde vor der Küste der Bermudas im Juli versenkt und an Ort und Stelle mit Eisenbahnwaggonachsen beschwert. Der Plan war, dass sich vier Taucher für drei Wochen ins Habitat begeben, um dort ihre Unterwasserexperimente in einer Tiefe von 58 m durchzuführen. Nach 11 Tagen musste der Versuch aber aufgrund eines sich nähernden tropischen Sturms beendet werden.
SEALAB II war ein völlig neuer Lebensraum, ca. 14×3 m, und im Gegensatz zu SEALAB I mit warmen Duschen und einem Kühlschrank ausgestattet. Er wurde im „La Jolla Canyon“ vor der Küste von Kalifornien in einer Tiefe von 62 m platziert. Am 28. August 1965 wurde das erste von drei Teams von Tauchern hinabgeschickt. Wegen der Neigung des Standortes bekam es den Namen „Tilton Hilton“. Jedes Team verbrachte 15 Tage im Lebensraum, aber Aquanaut/Astronaut Scott Carpenter blieb unten für einen Rekord von 30 Tagen. In dieser Zeit war er in der Lage, mit Astronaut Gordon Cooper zu sprechen, der in der Gemini-Raumkapsel die Erde umkreiste. Zusätzlich zu physiologischen Tests testeten die Taucher auch neue Werkzeuge, Methoden für Bergungen und einen elektrisch geheizten Trockentauchanzug.
SEALAB II
SEALAB III verwendete den renovierten SEALAB-II-Lebensraum, wurde aber im Wasser 3× tiefer platziert. Vorgesehen war, dass fünf Teams von neun Tauchern je 12 Tage im Lebensraum blieben, um neue Bergungstechniken und Studien über Ozeanografie und Fischerei zu betreiben. Die Vorbereitungen für einen so tiefen Tauchgang waren weitreichend. Zusätzlich zu vielen biomedizinischen Studien arbeitete man an Tiefentauchgängen – diese „Tauchgänge“ wurden nicht im offenen Meer, sondern in einer speziellen hyperbaren Kammer gemacht, die den Druck verschiedenster Tiefen simulieren konnte (bis zu ca. 340 m).
Am 15. Februar 1969 wurde SEALAB III auf 185 m gesenkt, vor der Insel San Clemente, Kalifornien. Der Lebensraum begann aber zu lecken, und Taucher wurden gesandt, um ihn zu reparieren – erfolglos. Bei diesem Reparaturversuch kam Aquanaut Berry Cannon ums Leben. Es wurde später festgestellt, dass in seinem Sauerstoffgerät die Chemikalie fehlte, die notwendig ist, um das Kohlendioxid aus der Atemluft zu entfernen. Das SEALAB-Programm kam zum Stillstand; obwohl der Lebensraum zurückgeholt wurde, wurde er schließlich verschrottet.
Das SEALAB-Programm bewies die Lebensfähigkeit von Menschen im Sättigungszustand in einer isolierten Umgebung über einen längeren Zeitraum.
1965 – Conshelf III wurde vor der Küste von Südfrankreich in einer Tiefe von 60 Metern aufgestellt. Der frühere Astronaut Scott Carpenter und andere Taucher blieben einen Monat in diesem Lebensraum.
1960er – Tektite I und II: Von außen sehen sie aus wie Silo-Zwillingstürme.
Zwei weiße, metallische Zylinder mit 4 m Durchmesser und 6 m Höhe, verbunden durch einen flexiblen Tunnel, aufgesetzt auf eine rechteckige Basis in 15 m Wassertiefe und durch mehrere Kabel und Schläuche mit der Küste verbunden. Tektite I und Tektite II waren ein national gefördertes wissenschaftliches Projekt in Zusammenarbeit mit der Industrie in den Jahren 1969 und 70. Bei Tektite I lebten 4 Personen 60 Tage in diesem Habitat, bei Tektite II waren es mehrere Versuche, wobei immer 4 Wissenschaftler und 1 Techniker 10 bis 20 Tage unten blieben. Alle Versuche fanden in der Lameshur Bucht bei St. John, Virgin Islands, statt.
1968 – Das Unterwasserlabor „Helgoland“, 1968 in Lübeck gebaut, war weltweit das erste derartige Gerät für den Einsatz in kälteren Gewässern. Das 14 Meter lange, sieben Meter breite und sieben Meter hohe UWL ermöglichte Tauchern einen mehrwöchigen Aufenthalt unter Wasser. Die Wissenschaftler und Techniker lebten und arbeiteten in diesem Labor und kehrten nach ihren Tauchgängen stets wieder dorthin zurück. Erst am Ende ihres Aufenthaltes wurden sie direkt im UWL dekomprimiert und konnten anschließend gefahrlos auftauchen. Das UWL war in den Gewässern von Nord- und Ostsee sowie vor der Ostküste der USA im Einsatz. Ende der siebziger Jahre wurde es stillgelegt.
1968 – EDALHAB / EDAL (Engineering Design and Analysis Laboratory): Das Interesse in den 60ern, die Ozeane zu erforschen, unterstützte diverse Projekte im Bereich Ocean Engineering. Die elektronischen und mechanischen Abteilungen der Universität entwickelten das Engineering Design and Analysis Laboratory (EDAL) 1965. In dem Projekt waren Studenten, Absolventen und deren Lehrer involviert – von der Analyse über das Design bis zur Konstruktion und zum Test des abschließenden Prototypen. Das Programm produzierte faszinierende Herausforderungen und Lösungen, die national anerkannt sind von Instituten wie dem Woods Hole Oceanographic Institute und der U.S. Navy.
1972 bis 1985 – Das auf den Bahamas und karibisch basierende NOAA-Hydrolab wurde einer der meistgenutzten Lebensräume, mit über 600 Forschern, die die Einrichtung nutzten.
1993 – Aquarius wurde als feststehendes Unterwasserlabor entwickelt. Aquarius ist das einzige Unterwasserlabor der Welt, das immer noch betriebsbereit in den Ozeanen fungiert. Es ist das letzte übrig gebliebene Unterwasserlabor, das der Forschung in den Ozeanen der Welt gewidmet ist – in einer Tiefe von 20 m an einem Riff, ca. 6 km vor den Florida Keys. Es halten sich immer 6 Forscher für einen Zeitraum von 10 Tagen an Bord auf. Aquarius gehört der NOAA (National Oceanic and Atmospheric Administration) und wird von der University of North Carolina Wilmington geleitet. Der Lebensraum ist eine 15 m lange, zylindrische Kammer mit nur 3 m Durchmesser, montiert auf einer 118-Tonnen-Platte auf dem Meeresboden. Als einziger Forschungslebensraum der Welt liefert Aquarius eine einzigartige Gelegenheit, nicht nur das Leben unter Wasser zu studieren, sondern auch die Wirkung von Langzeitsättigungstauchgängen.
Unter dieser Webseite erfährt man, was momentan in Aquarius los ist: www.uncw.edu/aquarius
1990er – Jules’ Unterwasserhütte ist das erste Unterwasserhotel und befindet sich vor der Küste von Florida. Zuvor war es ein Forschungslabor namens „La Chalupa“, das es Leuten erlaubte, für einen Abend die Erfahrung zu machen, unter Wasser zu leben.